Neubeginn (1945-1953)
Dieser Text ist Teil eines Beitrags zur Festschrift zum 75-jährigen Schuljubiläum 1989 von Heinrich-Ferdinand Reinhardt
Nach der alliierten Besetzung Cloppenburgs vergingen etwa drei Tage, bis die vorher geflohenen Bewohner allmählich wieder dorthin zurückkehrten. Von den 18 Mitgliedern des Lehrerkollegiums, die im Laufe des Krieges zur Wehrmacht eingezogen worden waren, kehrten immerhin 16, wenn auch oftmals schwer verwundet und nach langer Gefangenschaft zurück. Von den über 300 eingezogenen Schülern fiel mehr als ein Drittel oder blieb vermißt.
Die Besatzungsbehörden hielten es für erforderlich, daß die Schulen vorläufig geschlossen blieben, um sie vor ihrer Wiedereröffnung im Rahmen eines sog. Reeducation-Programms sowohl institutionell als auch personell zu "säubern". Die zuständigen deutschen Stellen drängten jedoch darauf, die Wiedereröffnung zu beschleunigen. Bereits am 9. Mai 1945 hatte die britische Militärregierung in Oldenburg wieder einen "Ministerpräsidenten" eingesetzt, Th. Tantzen Heering, der dieses Amt bereits nach dem 1. Weltkrieg drei Jahre lang innegehabt hatte und in diesem Amt wie früher sogleich wieder ein starkes Interesse an schulpolitischen Fragen zeigte; nur suchte er dieses Mal eine möglichst enge Zusammenarbeit mit dem Klerus beider Konfessionen.
Die Besatzungsbehörden verzögerten bzw. verschoben einerseits die Wiedereröffnung der staatlichen Schulen, andererseits aber unternahmen sie nichts dagegen, daß der katholische Klerus daraufhin im Pensionat, im St. Vinzenzhaus und anderswo privaten Ersatzunterricht organisierte. Es war also offensichtlich, daß zumindest im Freistaat Oldenburg dem katholischen Klerus seitens der Besatzungsbehörden vor allem im Bildungsbereich viel Vertrauen entgegengebracht wurde, dem auch ein liberaler Ministerpräsident Rechnung zu tragen hatte. Dazu kam, daß Ministerpräsident Tantzen, wie bereits Offizial Pohlschneider beobachten zu können geglaubt hatte, große Bewunderung für die Persönlichkeit des Bischofs von Galen empfand und schon allein deswegen auch in der Schulfrage dessen Vorstellungen weit entgegenzukommen bereit war. Tatsächlich wurden die Schulen des Freistaates Oldenburg am 1. Oktober 1945 als Konfessionsschulen wiedereröffnet, wenige Tage später, am 10. Oktober 1945, öffnete auch die Cloppenburger Oberschule wieder ihre Pforten.
Allerdings wurde der Unterricht zunächst nur in eingeschränkter Form wieder aufgenommen. Er fand für die meisten Klassen nur jeden 2. Tag statt und erstreckte sich im wesentlichen nur auf die sog. "Haupt-" oder "Ausgleichsfächer" Deutsch, Englisch, Mathematik und Latein. Dazu kamen als "Nebenfächer" lediglich noch "Christliche Unterweisung" und in den oberen Klassen auch noch Physik. Andere Fächer wie Biologie, Geschichte, Erdkunde, Staatsbürgerkunde oder auch Sport, die unter der Naziherrschaft im besonderen Maße zur politisch-ideologischen Indoktrination mißbraucht worden waren, durften aufgrund entsprechender behördlicher Anordnungen noch nicht wieder unterrichtet werden oder konnten nicht unterrichtet werden. Da das Schulgebäude in der Bahnhofstraße von den Truppen der Besatzungsmacht als Lazarett benutzt wurde, fand der Unterricht zum Teil im Rathaus, zum Teil im Vinzenzhaus und vor allem auch im sog. Pensionat statt. Am 3. November 1945 wurde aber auch die Private Höhere Mädchenschule wiedereröffnet, so daß deren Räumlichkeiten der Staatlichen Oberschule nur zum Teil und an bestimmten Wochentagen für Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellt werden konnten. Außerdem fehlten für eine Ausweitung der Unterrichtstatigkeit noch die nötigen Lehrkräfte. Eine größere Anzahl von Lehrern befand sich noch in Kriegsgefangenschaft, und diejenigen von ihnen, die bereits zurückgekenrt waren oder schon vor Kriegsende aus dem Militärdienst entlassen worden waren, befanden sich oft in zu schlechter gesundheitlicher Verfassung, um ihren Dienst in angemessenem Umfang wahrnehmen zu können.
Auch der Personalmangel erfuhr durch die Wiedereröffnung der Liebfrauenschule eine erhebliche Verschärfung, da ja bis gegen Kriegsende nicht weniger als acht Schwestern ULF an der Staatlichen Oberschule als sog. Hilfslehrkräfte beschättigt gewesen waren, für die kaum Ersatz zu beschaffen war. Ein regelrechter Kollaps sowohl in der Raumversorgung als auch in personeller Hinsicht drohte der Schule seit Anfang des Jahres 1946, da die oldenburgische Regierung damals für das Schuljahr 1946/47 neue Stundentafeln veröffentlichte, die u.a. eine erhebliche Ausweitung des Unterrichts in den sog. Kurzzeitfächern vorsahen sowie eine personalaufwendige Neuerung in der Fremdsprachenfolge: Während an der Oberschule, die nach den Vorstellungen des Ministeriums der Kirchen und Schulen mittelfristig wieder in ein Gymnasium umzuwandeln war, Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet wurde, sollte in Zukunft wieder dem Lateinunterricht diese Rolle zukommen. Außerdem erlaubten die neuen Stundentafeln auch die Wiederherstellung der früheren humanistischen Gymnasien bzw. von altsprachlichen Zügen an den bestehenden Oberschulen, an denen dann als dritte Fremdsprache wieder Griechisch zu unterrichten war. In Cloppenburg hatten sog. Hochschultage im März des Jahres 1946 die Forderung laut werden lassen, daß auch an der dortigen Oberschule ein Altsprachlicher Zug eingerichtet werde, und den kommissarischen Schulleiter bewogen, bei der Regierung die Umwandlung der Oberschule in ein Gymnasium mit einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig und mit einem altsprachlichen Zweig zu beantragen. Wegen des dadurch bedingten zusätzlichen Raum- und Personalbedarfs zögerte das Ministerium zunächst, das Gesuch zu genehmigen, sperrte sich dann aber bald nicht mehr dagegen, teils um nicht in Widerspruch zu den Interessen der Bevölkerung zu geraten, teils auch um die Besatzungsmacht schließlich doch noch zur Freigabe des Schulgebäudes zu veranlassen. Die Militärregierung hatte die Dringlichkeit des Raumbedarfs der Schule grundsätzlich zwar anerkannt, indem sie ihr für Unterrichtszwecke eine ehemalige Arbeitsdienstbaracke zur Verfügung stellte, konnte sich zu weiterreichenden Zugeständnissen vorläufig jedoch nicht durchringen, obwohl sich am 28. Februar auch der Cloppenburger Kreistag in einer Resolution dafür ausgesprochen hatte, daß das Schulgebäude wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werde. Dann aber war von interessierter Seite die Auffassung vertreten worden, daß sich das Gebäude wegen seiner längerfristigen Nutzung als Lazarett für Schulzwecke nicht mehr eigne und deswegen nach seiner Freigabe durch die Besatzungsmacht am besten weiterhin als Krankenhaus zu nutzen sei. Auch die Mehrheit der Kreistagsmitglieder machte sich diese Auffassung so weit zu eigen, daß sie unter Abänderung des Beschlusses vom 28. Februar dafür eintrat, das Gebäude wenigstens zur Hälfte weiter als Hilfskrankenhaus zu nutzen. Wegen der in diesem Falle angeblich für die Schüler bestehenden Seuchengefahr erhob dagegen jedoch die Militarregierung Einwande, so daß der Schule plötzlich das ganze Gebäude verlorenzugehen drohte, als es am 24. April von den kanadischen Truppen schließlich überraschend geräumt wurde. Um dieser Gefahr zu begegnen, griff der kommissarische Schulleiter nach telefonischer Rücksprache mit dem Ministerium der Kirchen und Schulen zu einem nach damaligen Maßstaben recht ungewöhnlichen Mittel: er ließ das Gebäude noch am Tage seiner Räumung durch die Besatzungsmacht von Lehrern und Schülern handstreichartig besetzen und in Eigenarbeit notdürftig für Unterrichtszwecke herrichten. Kurze Zeit später, am 9. Mai, reiste der Minister der Kirchen und Schulen persönlich nach Cloppenburg, um mit allen Interessierten und Beteiligten zu vereinbaren, daß auch auf Dauer das Gebäude wieder der Staatlichen Oberschule zur Nutzung überlassen werde. Lediglich ein kleiner Teil, der sog. Westflügel, blieb danach der Nutzung durch das St.-Josef-Hospital vorbehalten. Von diesem Zeitpunkt an konnte das Raumproblem der Schule grundsätzlich als gelöst angesehen werden, auch wenn es noch monatelanger Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten bedurfte, bevor es wieder in vollem Maße seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden konnte. Als weitaus schwerer zu bewältigen erwies sich in den folgenden Monaten das Problem des akuten Lehrermangels. Auch nach ihrer Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft oder der Genesung von Verletzungen und Krankheiten, die sie sich im Krieg oder in der Gefangenschaft zugezogen hatten, weigerten sich viele Lehrer, wieder zum Dienst in den Schulen anzutreten. Die Gründe dafür werden in den Quellen zwar nicht ausdrücklich genannt, lassen sich aber unschwer erahnen.
Viele Lehrer verzichteten auf die Wiederaufnahme des Dienstes, um sich der Entnazifizierung zu entziehen, der mittlerweile alle Angehörigen des öffentlichen Dienstes unterworfen worden waren.
In den folgenden Monaten ergab sich im politischen Umfeld der Schule eine bemerkenswerte Veränderung. Am 14. November 1946 wurde die Eingliederung des Freistaates Oldenburg in das neu gegründete Land Niedersachsen verfügt und damit das Gymnasium in Cloppenburg der obersten Dienstaufsicht des damaligen Niedersächsischen Kultusministers A. Grimme unterstellt, dessen Vorstellung über die zukünftige Gestalt des Gymnasiums von denen des bisherigen Oldenburgischen Ministerpräsidenten Tantzen und F. Kaestners, des bisherigen Oldenburgischen Ministers der Kirchen und Schulen, erheblich abwichen. Bereits am 12. Februar 1947 veröffentlichte das Kultusministerium einen Erlaß über neue Stundentafeln für die Gymnasien des Landes, nach denen dort landesweit — im Widerspruch zu den oldenburgischen Stundentafeln vom Vorjahr — wiederum Englisch statt Latein als erste Fremdsprache unterrichtet werden sollte. Dagegen formierte sich u.a. in Südoldenburg eine von einflußreichen Bevölkerungskreisen getragene Protestbewegung, in der nicht zuletzt auch Dr. Thomé, der Leiter des Cloppenburger Gymnasiums, eine maßgebliche Rolle spielte. Dr. Thomé trat als Verfasser oder Redakteur einer am 19. März 1947 vom Cloppenburger Kreistag verabschiedeten Resolution in Erscheinung, in der das Kultusministerium unter Hinweis auf die besonderen kulturellen Traditionen im ehemaligen Freistaat Oldenburg und die gesetzlichen Verpflichtungen der Verfassungsorgane des Landes Niedersachsen zur Respektierung derselben insbesondere in der Frage der Fremdsprachenfolge zur Zurücknahme seiner Anweisungen aufgefordert wurde. Daher ergab sich aus der Sicht der oldenburgischen Gegner der Grimmeschen Schulreform Veranlassung zu der Beturchtung, daß das Kultusministerium versuchen würde, nach der Alterspensionierung Dr. Thomés durch eine entsprechende Neubesetzung der Schulleiterstelle, über die letztlich ja das niedersächsische Staatsministerium zu entscheiden hatte, ihren Widerstand zu brechen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, richtete der Oberkreisdirektor des Landkreises Cloppenburg am 16. Juni 1947 an die Bezirksregierung ein förmliches Gesuch, die Pensionierung von Dr. Thome so lange wie möglich hinauszuzögern.
Da die Bezirksregierung für die Haltung der Gegner der Grimmeschen Schulreform viel Verständnis aufbrachte, ging sie auf die Anregung einer Hinauszögerung der Pensionierung Dr. Thomés bereitwillig ein und ließ ihn bis zum Ende des Schuljahres 1947/48 im Amt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt bereits das 67. Lebensjahr vollendet hatte. In der Zwischenzeit hatten sich die Bemühungen Dr. Thomés, auch die Elternschaft in den Kampf um die Erhaltung der traditionellen Schulverfassung zu beteiligen, als erfolgreich erwiesen.
Am 4. Dezember 1947 verabschiedete in der Aula des Gymnasiums eine von mehr als 300 Personen besuchte Elternversammlung eine Resolution, "in der sie sich zum christlich-humanistischen Erziehungsideal" bekannte sowie die Beibehaltung der bisherigen Regelung in der Fremdsprachenfolge forderte. Am 8. Januar 1948 erklärte sich daraufhin das Kultusministerium bereit, einer Kompromißregelung zuzustimmen, nach der innerhalb des Verwaltungsbezirks Oldenburg zwar an den neusprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasien die niedersächsischen Stundentafeln dem Unterricht zugrundezulegen waren, an den altsprachlichen Gymnasien und Abteilungen aber weiterhin nach den oldenburgischen Stundentafeln vom Frühjahr 1946 unterrichtet werden durfte.
In der Bezirksregierung gab man sich sicherlich keinerlei Illusionen darüber hin, daß sich das Kultusministerium mit diesem Kompromiß über die Stundentafeln an den Gymnasien des Verwaltungsbezirks Oldenburg auf die Dauer keineswegs zufrieden geben werde, sondern die oldenburgische Sonderrechte auf dem Gebiete der Kultur und des Schulwesens, die sich als Hindernisse für die landeseinheitliche Verwirklichung der Grimmeschen Schulreform erwiesen hatten, im Zuge einer bereits seit geraumer Zeit diskutierten Verwaltungsreform aus der Welt schaffen wolle. Außerdem versuchte Kultusminister Grimme über die Elternschaften in den Schulen und Schulverwaltungen einen gewissen Reformdruck zu erzeugen, indem er diese durch einen Erlaß zu öffentlichen Diskussionen über eine vom Ministerium entworfene Elternschaftsordnung aufrief. Nach zwei vergeblichen Anläufen am 3. Juni und am 18. August 1948 fand sich erst am 16. Dezember 1940 eine 3. Elternversammlung bereit, die neue Elternschaftsordnung zu akzeptieren, jedoch nicht ohne sich gleichzeitig noch einmal lebhaft für die jetzi- ge Form des Altsprachlichen Gymnasiums« auszusprechen und auch eine dementsprechende Resolution zu verabschieden.
Die Bezirksregierung hatte die Neubesetzung der Schulleiterstelle dilatorisch behandelt. Sie gab gegenüber der Kreisverwaltung am 19. Juli 1948 auf eine entsprechende Nachtrage hin sogar unumwunden zu, daß sie die auf eine Berufung H. Bitters abzielenden Resolutionen des Stadtrates und des Kreistages überhaupt nicht weitergeleitet hatte. In Cloppenburg gab man sich schließlich damit zutrieden, daß H. Bitter nach dem Ausscheiden Dr. Thomés erneut nur mit der kommissarischen Ausübung der Amtsgeschäfte des Direktors betraut wurde.
Am 4. September 1948 konnte die Schule das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens als abiturberechtigte Vollanstalt feiern; aus diesem Anlaß fand auch ein Wiedersehenstreffen aller ehemaligen Schüler statt. Im Zusammenhang damit wurde ein Verein ehemaliger Schüler gegründet, der zu seinem Vorsitzenden Heinrich Grafenhorst wählte, den damaligen Dechanten von Oldenburg, der kurze Zeit später, am 1. Dezember 1948, zum bischöflich münsterschen Offizial in Vechta ernannt wurde.
Am 12. November 1948 konnte H. Bitter in einer Allgemeinen Lehrerkonferenz ein an ihn gerichtetes Schreiben Grafenhorsts verlesen, in dem dieser den Vorschlag machte, die Schule in Zukunft nach Kardinal von Galen zu benennen. Auf der Grundlage dieses Vorschlages richtete H. Bitter am 12. Februar 1949 ein förmliches Gesuch an die zuständige Schulaufsichtsbehörde in Oldenburg, daß es der Schule erlaubt sein möge, offiziell den Namen "Staatliches Clemens-August-Gymnasium" zu führen. Die am 30. Mai 1949 erfolgte Genehmigung dieses Gesuchs erlaubte es dem kommissarischen Schulleiter, anläßlich der offiziellen Umbenennung der Schule am 28. September eine glanzvolle Feier zu organisieren, zu der viele prominente Ehrengäste erschienen, u.a. Dr. A. Wegmann, der damalige Präsident des Verwaltungsbezirks Oldenburg, der persönlich die Umbenennung vornahm, Dr. M. Keller, als Bischof von Münster der unmittelbare Amtsnachfolger des Kardinals von Galen, der nach eigenem Wunsch die Festansprache hielt, sowie Christoph Bernhard Graf von Galen, das Oberhaupt der Familie des Namengebers der Schule, und natürlich auch H. Grafenhorst, dessen Initiative es zu verdanken war, daß diese Feier überhaupt stattfinden konnte. Die Feier selbst erhielt auf diese Weise den Charakter der öffentlichen Demonstration eines überaus engen Schulterschlusses zwischen der Schule, den lokalen und regionalen Behörden sowie dem katholischen Klerus, dessen Ziele insbesondere der Hauptfestredner Bischof Dr. M. Keller umriß. Er deutete den Namen der Schule hauptsächlich als Zeichen ihrer Verpflichtung auf das Erziehungsideal des sog. "christlichen Humanismus" oder nüchterner ausgedrückt: als einen symbolischen Ausdruck für die Beibehaltung der traditionellen Form des altsprachlichen Gymnasiums in Cloppenburg sowie im Verwaltungsbezirk Oldenburg überhaupt.
Tatsächlich hat das Kultusministerium die von dieser Veranstaltung ausgehenden politıschen signale so verstanden, daß in der Folgezeit aut Versuche, die damals bestehende organisatorische una curtikulare struktur des "Clemens-August Gymnasiums" im Sinne der von ihr angestrebten Reform zu verändern, weitgehend verzichtete, so daß die Schule ihre damalige Gestalt bis zu den Reformen der späten bUer und 70er Jahre im großen und ganzen unverandert bewahrte. Lediglich im Jahre 1953 kam es noch einmal zu einer bemerkenswerten Veränderung im organisatorischen Aufbau der Schule, infolge der damals bundesweiten Zurücknahme der von den Nationalsozialisten verkürzten Schulzeit und ihrer erneuten Aufstockung auf 9 Schuljahre. Aber auch diese Veränderung berührte den Kern des organisatorischen Aufbaus der Schule nicht.
Aber nicht nur currikular, sondern auch praktisch erwies sich der Schulterschluß in den folgenden Jahren als außerordentlich wirksam und nützlich für die Entwicklung der Schule. Den guten Kontakten der Schule zum katholischen Klerus, wohl nicht zuletzt auch der persönlichen Freundschaft H. Bitters zu Offizial H. Grafenhorst war es zu verdanken, daß bald eine entscheidende Verbesserung in der Raumversorgung der Schule erzielt werden konnte.
In Verhandlungen mit dem in kirchlicher Trägerschaft befindlichen St. Josefs-Hospital gelang es durchzusetzen, daß vom Schuljahr 1952/53 an der bislang noch als Hilfskrankenhaus genutzte Westflügel des Schulgebäudes endlich ebenfalls wieder für Unterrichtszwecke zur Verfügung stand. Andererseits erfreute sich die Schule auch einer besonderen Fürsorge seitens der Bezirksregierung, die an der Schule ein sog. Anstaltsseminar einrichtete, durch dessen Existenz in verstärktem Maße auch jüngere Lehrkräfte mit der Schule in Verbindung gebracht wurden, die einen wirksamen Beitrag zur Behebung des anhaltenden Lehrermangels leisten konnten.
Ungefähr ein halbes Jahr nach der feierlichen Umbenennung der Schule in "Clemens-August-Gymnasium", zu Beginn des Schuljahres 1950/51, erfolgte die endgültige Besetzung der Schulleiterstelle. Allerdings berief man damals zunächst noch nicht H. Bitter auf diesen Posten, sondern H. Hartweg, einen Altphilologen, der wohl insbesondere der Bezirksregierung in Oldenburg vor dem Hintergrund der anhaltenden Auseinandersetzungen um das "Humanistische Gymnasium" als Leiter geeignet erschien. Erst im Jahre 1953, als H. Hartweg in gleicher Funktion an das Petrinum in Recklinghausen versetzt wurde, war der Weg dafür frei, daß H. Bitter das Amt des Direktors des Clemens-August-Gymnasiums übernahm.


